Gesichter
Am Donnerstag, 1. November 2012 um 20:00 Uhr
Fotografie von Monika Runge
Das Gesicht ist zwischenmenschliches Verständigungsmittel und emotionale Projektionsfläche, weswegen die Lesbarkeit und Darstellung von Gesichtsausdrücken zu den elementaren Kulturtechniken zählen. Auch wenn das moderne Klischee anderen Blickrichtungen Priorität zuspricht, beginnt visuelle Kommunikation in der Regel mit Augenkontakt, dem Blick in ein Gesicht. Weil das Gesicht von jeher den einzigen, ständig mehr oder weniger unverhüllten Körperteil darstellt, wird dessen individueller Gestaltung große Aufmerksamkeit gewidmet, indem Eigentümlichkeiten von Formen, Proportionen, Linien und Farben betont oder kaschiert werden.
Gesichter sind einerseits markante sowie gleicher Maßen wandelbare, dynamische Oberflächen. Deren Präsentation und Fremd- wie Eigenwahrnehmung setzt körperliche wie geistige Prozesse voraus und initiiert diese zugleich. Während das Verbergen des individuellen Antlitzes mittels grotesk überzeichneter Masken aus diesem Grund besonders irritiert, dient das maskenartige Konterfeien bereits im frühkindlichen Alter der Persönlichkeitsentwicklung. Nicht ohne Grund kam und kommt Masken eine ikonenartig starre kultische Verehrung zu – in der Abstraktion des Gesichts wird dessen deutungsfreundlicher Symbolcharakter offenbar. So erkennen wir sofort das Böse, das durch die aufwendig geschnitzte Hexenmaske in der Fasnacht symbolisiert wird, genauso, wie das Positive in der genial einfachen Gesichtsform des grafischen Smiley.
Monika Runge geht in ihren Arbeiten diesen Gesichtpunkten zwischen den Polen Grundverständnis für die Erscheinungsform von Gesichtern und dem Bedeutungsgehalt von Gesichtsausdrücken, konkreten und abstrakten, nach: Faszination Gesicht. Ihre Arbeiten konfrontieren den Betrachter mit vermeintlich einfachen Fragen: Was ist ein Gesicht? Was macht ein Gesicht aus? Wie viel Gesicht benötigt eine Struktur um als Gesicht wahrgenommen werden?
Als Fotografin setzt sie sich mit der Allgegenwart von Gesichtern auseinander, sensibilisiert für maskenhaft aufgesetzte Antlitze wie emotional aufgeladene Gesichtsausdrücke. Dabei kristallisierte sich für sie vor allem das Verbindende, Statische heraus, die allen Gesichtern gemeinsamen anatomischen Elemente. Diese bleiben für sie auch losgelöst vom menschlichen Körper als grafische Interpretation oder zufällige plastische Arrangements bedeutsam, weil sie Ausdrücke von Emotionen darstellen, um Emotionen zu erzeugen.
Was ist Gesicht überhaupt – mehr als nur anatomisch bedingtes Körperteil und damit wandelbare Chiffre des visuell geprägten Erfahrungshorizonts? Monika Runges Werkschau ist das Resultat einer individuellen Auseinandersetzung. Ihre Bilder von Gesichtern sollen nicht abschließend erklären, sondern reizen zur Reflektion unserer an Antlitzen überfrachteten Kultur. Die ausgewählten Arbeiten zeigen aus diesem Grund teils abstrakte Grotesken, teils einfühlsam grafische Folien. Der eindeutige und zugleich verfremdende Ausstellungstitel „Faces“ erscheint vor diesem Hintergrund nur konsequent.
Die Vernissage findet am Donnerstag, den 01.11.2012 um 20 Uhr statt. The Custers spielen live zur Eröffnung und Dr. Thomas Schindler hält die Eröffnungsrede.
Die Ausstellung wird in der Weinerei bis zum 30.11.2012 zu sehen sein.




